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Caesar/De Bello..../Eintrag von: astrid

Caesar
Commentarii De Bello Gallico (VI, 11-14)
 
Da wir bis zu dieser Stelle unseres Berichts vorgedrungen sind, scheint es mir nicht unangebracht zu sein, die Bräuche Galliens und Germaniens zu schildern und dabei auf die Punkte einzugehen, in denen sich diese Stämme voneinander unterscheiden. In Gallien gibt es nicht nur in allen Stämmen und ihren einzelnen Gauen und Bezirken, sondern fast in jeder Familie politische Gruppierungen. An der Spitze stehen die, die den Ruf haben, in der öffentlichen Meinung den größten Einfluss zu besitzen. Von ihrem Schiedsspruch und ihrem Urteil hängen die wichtigsten politischen Entscheidungen und Pläne ab. Dies scheint von alters her aus dem Grund so eingerichtet, damit niemandem aus dem niederen Volk Unterstützung gegenüber einem Mächtigeren versagt bleibe. Denn keiner dieser Führer lässt zu, dass seine Anhänger unterdrückt oder betrogen werden. Wenn er sich anders verhielte, hätte er bei ihnen keinerlei Ansehen mehr. Dieselbe Struktur findet sich auch in Gesamtgallien, denn alle Stämme zusammen sind in zwei Parteien geteilt.
 
Als Caesar nach Gallien kam, standen die Haeduer an der Spitze der einen Partei, die Sequaner führten die andere. Da letztere schon an sich weniger angesehen waren, weil die Haeduer von alters her den größten Einfluss und bedeutende Clientelen besaßen, hatten die Sequaner sich mit den Germanen und Ariovist verbündet und diese unter bedeutenden Opfern, mit großen Versprechungen auf ihre Seite gezogen. Nachdem sie in mehreren Schlachten siegreich gewesen waren, wobei der ganze Adel der Haeduer fiel, war ihre Stellung so übermächtig,  dass sie einen großen Teil der Clienten von den Haeduern zu sich herüberziehen konnten und die Söhne der führenden Männer als Geiseln erhielten. Sie zwangen die Regierung der Haeduer zu dem Schwur, keine Kriegspläne gegen die Sequaner zu fassen. Nachdem sie noch einen Teil des angrenzenden Landes gewaltsam eingenommen und zu ihrem Besitz gemacht hatten, standen sie an führender Stelle in ganz Gallien. Diese Notlage hatte Diviciacus veranlasst, zum Senat nach Rom zu reisen und dort um Unterstützung zu bitten. Er war jedoch ohne Erfolg zurückgekehrt. Da mit dem Eintreffen Caesars ein Wandel eintrat, erhielten die Haeduer ihre Geiseln zurück, ihre alten Clientelen bildeten sich wieder, und Caesar verschaffte ihnen obendrein neue, weil die, die einen Freundschaftsvertrag mit den Haeduern eingegangen waren, sahen, dass sie sich nun in einer besseren Lage befanden und unter einer gerechteren Herrschaft lebten. Auch durch anderes war die Beliebtheit und das Ansehen der Haeduer so vermehrt worden, dass die Sequaner ihre führende Stellung verloren hatten. An ihre Stelle waren die Remer getreten. Da zu erkennen war, dass sie bei Caesar in gleicher Gunst standen wie die Haeduer, begaben sich die Stämme, die sich wegen alter Streitigkeiten unter keinen Umständen den Haeduern anschließen konnten, in die Clientelen der Remer.  Diese übernahmen gewissenhaft ihren Schutz. So besaßen sie einen frischen und überraschend schnell erworbenen Einfluss. Die Lage war damals so, dass den Haeduern die unbestrittene Führung zuerkannt wurde, die Remer aber den zweiten Platz im allgemeinen Ansehen einnahmen.
 
In ganz Gallien gibt es nur zwei Klassen von Männern, die an einigermaßen hervorragender und ehrenvoller Stelle stehen. Denn die untere Volksschicht wird fast wie Sklaven behandelt; sie wagt nicht, selbständig zu handeln, und wird zu keiner Beratung hinzugezogen. Da die meisten unter dem Druck von Schulden oder hohen Steuern leben oder aber durch rechtswidriges Verhalten der Mächtigen bedrängt werden, begeben sie sich in die Sklaverei. Die Adligen besitzen ihnen gegenüber alle Rechte, die ein Herr seinen Sklaven gegenüber hat. Von den erwähnten zwei Klassen ist die eine die der Druiden, die andere die der Ritter.  Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren. Denn sie entscheiden in der Regel in allen staatlichen und privaten Streitfällen. Wenn ein Verbrechen begangen worden oder ein Mord geschehen ist, wenn der Streit um Erbschaften oder den Verlauf einer Grenze geht, fällen sie auch hier das Urteil und setzen Belohnungen und Strafen fest. Wenn sich ein Privatmann oder das Volk nicht an ihre Entscheidungen hält, untersagen sie ihm die Teilnahme an den Opfern. Diese Strafe gilt bei ihnen als die schwerste,  denn die, denen die Teilnahme untersagt ist, gelten als Frevler und Verbrecher, alle gehen ihnen aus dem Weg und meiden den Umgang und das Gespräch mit ihnen, damit sie nicht durch ihre Berührung Schaden erleiden. An der Spitze aller Druiden steht ein Mann, der den höchsten Einfluss unter ihnen genießt. Stirbt er, so folgt ihm entweder der nach, der unter den übrigen das höchste Ansehen besitzt, oder aber sein Nachfolger wird von den Druiden gewählt, wenn mehrere gleich hohes Ansehen besitzen. Nicht selten wird dann jedoch auch mit Waffen um die leitende Stelle gekämpft . Zu einer bestimmten Zeit des Jahres tagen die Druiden an einem geweihten Ort im Gebiet der Carnuten, das man für das Zentrum ganz Galliens hält. Hierher kommen alle, die Streitigkeiten haben und sie gehorchen den Beschlüssen und Urteilen der Druiden. Die Lehre wurde, wie man meint, in Britannien entdeckt und von da nach Gallien gebracht. Und diejenigen, die jetzt (heute) diese Lehre genauer kennen lernen wollen, reisen meist dorthin um sie zu studieren.
 
Die Druiden bleiben gewöhnlich dem Krieg fern  und zahlen auch nicht wie die übrigen Steuern. Sie leisten keinen Kriegsdienst und sind auf jedem Gebiet von der Abgabepflicht ausgenommen. Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandten schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht. Sie halten es für Frevel, diese Verse aufzuschreiben, während sie in fast allen übrigen Dingen im öffentlichen und privaten Bereich die griechische Schrift benutzen. Sie scheinen mir das aus zwei Gründen so eingerichtet zu haben, weil sie weder wollen das die Lehre in die Öffentlichkeit gebracht wird, noch das diejenigen die sie studieren im Vertrauen auf die Schrift ihr Gedächtnis weniger schulen: Dieses widerfährt den meisten; nämlich, dass sie durch die Stütze der Schrift in der Genauigkeit beim Auswendiglernen nachlassen. Sie wollen vor allem davon überzeugen, dass die Seele nach dem Tod nicht zugrunde geht sondern von dem einen auf den anderen übergeht, und sie glauben dadurch ganz besonders zur Tapferkeit angespornt zu werden, da sie soviel Furcht vor dem Tod hintanstellen. Außerdem erforschen sie vieles, über die Sterne und deren Bewegung, die Größe des Weltalls und der Erde (od. Länder), über die Natur, über die Kraft und Macht der unsterblichen Götter und geben dies an die Jugend weiter.
30.12.06 18:13
 


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