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Carmen Buranum 196/Hü/Eintrag von: astrid

S 44

 

 

 

Carmen Buranum 196

 

 

 

Wenn wir in der Taverne,

 

dann kümmern wir uns nicht, was die Erde ist,

 

sondern eilen zum Spiel,

 

bei dem wir immer ins Schwitzen kommen.

 

Was in der Taverne geschieht,

 

so das Geld der Wirt ist,

 

ist es notwendig, dass danach gefragt wird;

 

doch was ich spreche, soll gehört werden:

 

Einige spielen, einige trinken,

 

einige leben liederlich;

 

aber wer beim Spiel verweilt,

 

unter diesen werden einige nackt ausgezogen,

 

die anderen dort werden bekleidet,

 

einige müssen Säcke anziehen;

 

dort fürchtet keiner den Tod,

 

sondern sie setzen alles auf den Bacchus.

 

An erster Stelle auf die Rechnung des Weins,

 

auf die trinken die Libertini:

 

einmal trinken auf die Häfenbrüder,

 

danach trinken sie dreimal auf die Lebenden,

 

viermal auf alle Christen,

 

fünfmal auf die verblichenen Gläubigen,

 

sechsmal auf die eitlen Schwestern,

 

siebenmal auf die Räuber im Wald,

 

achtmal auf die abtrünnigen Brüder,

 

neunmal auf die abgehauenen Mönche,

 

zehnmal auf die Seefahrenden,

 

elfmal auf die Sich-Streitenden,

 

zwölfmal auf die Reuigen,

 

dreizehnmal auf die Reiseneden,

 

genauso auf den Papst wie auf den König

 

trinken sie alle ohne Gesetz.

 

Es trinkt die Herrin, es trinkt der Herr,

 

es trinkt der Soldat, es trinkt der Klerus,

 

es trinkt jener, es trinkt jene,

 

es trinkt der Knecht mit der Magd,

 

es trinkt der Schnelle, es trinkt der Träge,

 

es trinkt der Weiße, es trinkt der Schwarze,

 

es trinkt der Beständige, es trinkt der Wankelmütige,

 

es trinkt der Ungebildete, es trinkt der Magier.

 

Es trinkt der Arme und der Kranke,

 

es trinkt der Verbannte und der Feind,

 

es trinkt Bub, es trinkt der Greise,

 

es trinkt der Bischof und der Dekan,

 

es trinkt die Schwester, es trinkt der Bruder,

 

es trinkt die alte Frau, es trinkt die Mutter,

 

es trinkt dieser, es trinkt jener,

 

es trinken Hunderte, es trinken Tausende.

 

Sogar sechshundert Zechen wären nicht lang genug,

 

wenn alle maßlos trinken ohne Ziel,

 

obwohl sie mit frohem Sinn trinken.

 

So reden alle Leute schlecht über uns,

 

und so werden wir arm sein.

 

Die schlecht über uns reden,

 

mögen verdammt sein und mögen nicht auf der Seite der Gerechten stehen!

 

 

19.12.06 22:49
 


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