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Fernberger/Eintrag von: astrid

S 12


Georg Christian Fernberger:

Reisetagebuch 1588-1593
 
Am 21. April bestieg ich ein Schiff, das nach Hormuz fuhr. Denn ich hatte beschlossen, die Indische Reise zu beenden und über Arabien nach Konstantinopel zurückzukehren. Es gibt zwei Saisonen von Indien nach Arabien zu segeln: die erste im Monat November, die andere im April. Wenn nun die Schiffe, bevor die Westwinde zu blasen beginnen, einen bestimmten Breitengrad nicht erreicht haben, geraten sie in große Gefahren. Sie sind dann nämlich gezwungen nach Indien zurückzukehren, wo das Meer zu jener Zeit stürmisch ist. Für dieses Los hatte das Schicksal auch mich bestimmt. Nachdem wir nämlich auf die Höhe von 3 Grad geraten waren, befanden wir uns so nahe vor der äthiopischen Küste, daß wir hofften bald Anker zu werfen. Denn Vögel ließen auf Land hoffen. Doch dann brachen so mächtige Westwinde los, daß wir gezwungen waren, das Schiff zu wenden und nach Indien zurückzukehren. Dort mußten wir abgesehen von den tobenden Stürmen auch diese fürchten, daß wir, an die feindliche Küste des Reiches von Calicut verschlagen, Leben und Schiff mit allen Waren verlören.
Nachdem unsere Rahen gebrochen, der Großmast gekappt und die Waren ins Meer geworfen worden waren, zeigte uns Gott in seiner Barmherzigkeit endlich eine Flußmündung in einem den Portugiesen freundlich gesonnenen Reich. In diese liefen wir wohlbehalten ein. Später erfuhr man, daß von den 4 Schiffen, die mit uns ausgelaufen waren, 3 untergingen und eines an die feindliche Küste von Calicut verschlagen wurde. Dieses wurde von den Feinden gekapert und alle Christen darauf ermordet.
 
S 16:


Dieses Volk hat eine schreckliche (An) Gewohnheit, dass die Ehefrau nachdem der Ehemann gestorben ist, lebendig mit ihm verbrannt wird.
Geschmückt mit Gold und Edelsteinen wird sie in einer Sänfte unter Gesängen herumgeführt, begleitet von Eltern/Verwandten, Freunden und reichlich (od. viel) Volk.
Sobald man außerhalb der Stadt zu dem für diese Tragödie bestimmten Ort/Platz gekommen ist, dann steht auf einer Seite die Menge, die Witwe selbst geht abgeschieden mit zwei oder drei verwandten Frauen zum Fluss um zu baden, wodurch sie alle Sünden abwäscht.
Sie wickelt sich in ein oranges/gelbes Tuch, und schreitet dann singend zum Scheiterhaufen.
Das Tuch von sich weggeworfen salbt sie den ganzen Leib/Körper mit duftenden/aromatischen Ölen, wobei alte Frauen ihr einen Tuch vorhalten, damit sie nicht nackt gesehen werde.
Danach (Dies vollendet) wird sofort der Scheiterhaufen angezündet und sie springt auf den Scheiterhaufen, wobei sie sagt, dass sie mit ihrem teuren Ehemann ruhen wolle, dabei schleudern Freunde Holzknüppel/Holzscheite auf sie, damit sie, bevor die Flamme sie tötet, von den Hieben der Holzknüppel getötet werde (bzw. sterbe).
Sofort verwandelt sich die Musik in so großes Klagen und in weinerliche Stimmen, dass man erkennen kann, dass in der Tat (wirklich) ein Trauerspiel aufgeführt worden ist.
Sie sagen, dass diese Sitte von alters her aus diesem Grund eingeführt worden sei, weil die Frauen dieses Landes ihre Ehemänner aus beliebigen Grund vergiftet haben.
Daher ist dieses Gesetz, nach dem Tod des Ehemannes zwingend der Tod der Ehefrau folgt, beschlossen worden.
Dadurch ist bewirkt worden, dass jetzt die Gesundheit des Mannes den Frauen in gleicher Weise, ja sogar mehr als die eigene zur Sorge gereicht (am Herzen liegt).
 
 

19.12.06 22:39
 


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