* Startseite     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt








Seneca: De Brevitate Vitae/Eintrag von: astrid

S25

 

De Brevitate Vitae (Von der Kürze des Lebens)

Wir haben nicht wenig Zeit, aber wir verschwenden sie.
Das Leben ist lang genug und es wird einem reichlich geschenkt zur Vollendung der größten Dinge, wenn es in seiner Gesamtheit gut genützt würde. So ist es.
Wir bekommen kein kurzes Leben, aber wir machen es dazu; nicht seiner arm, sondern verschwenderisch sind wir. Wie reiche und königliche Schätze, sobald sie zu einem schlechten Eigentümer gelangt sind, sofort sich in alle Winde zerstreuen, wenn sie aber einem guten Wächter übergeben wurden, durch Gebrauch nur wachsen, genauso erstreckt sich unsere Lebenszeit weithin für einen, der es richtig verteilt.
Warum klagen wir über die Natur der Dinge? Sie verhielt sich wohl wollend.

 

Das Leben, wenn du es zu nutzen weißt, ist lange. Aber den einen fesselt der unersättliche Geiz, den anderen eine geschäftige Emsigkeit in überflüssigen Tätigkeiten, wieder ein anderer ist schwer vom Wein, der andere ist von Untätigkeit gelähmt. Es gibt Menschen, welche die undankbare Verehrung der Mächtigen aufzehrt durch die freiwillige Knechtschaft. Viele Menschen fesselte entweder die Gier nach fremden Glück oder das Jammern (die Klage) über das eigene Glück/Schicksal. Die unbestimmte und sich selbst verfallene Leichtigkeit, warf die meisten Menschen, die nichts bestimmtes verfolgen durch neue Pläne herum.

Diese Aussage ist wahr: „Es ist ein kleiner Teil des Lebens, in dem wir leben. Der ganze übrige Zeitraum freilich, ist nicht leben, sondern bloße Zeit.

Wohl an denn, rufe dir deine Lebenszeit in Erinnerung und rechne nach. Bedenke, wie viel dir von dieser Zeit Gläubigern, wie viel die Freundin, wie viel der König, wie viel der Cliens, der Ehestreit, wie viel das geschäftige Herumtreiben durch die Stadt, dir geraubt hat. Du wirst sehen, dass du weniger Jahre hast als du zählst. Was ist die Ursache? Ihr lebt als ob ihr immer leben würdet, niemals kommt euch eure Zerbrechlichkeit in den Sinn, ihr beachtet nicht, wie viel Zeit schon vergangen ist. Jener Tag selbst, der irgendeinem Menschen oder Ding vergoldet geschenkt wird, kann der letzte sein. Ihr fürchtet alles als ob ihr Sterbliche wäret, ihr begehrt alles als ob ihr Unsterbliche wäret. 

Du wirst die Meisten sagen hören: „Ab dem 50sten Jahr werde ich mich in den Ruhestand zurückziehen, im 60sten Jahr werde ich von meinen Pflichten befreit“. Und wen schließlich nimmst du als Bürge für ein längeres Leben? Wer wird dulden, dass dieses geht so wie du es planst? Schämst du dich nicht die Reste des Lebens für dich zu reservieren und nur diese Zeit für eine vernünftige Einstellung zu bestimmen, die für nichts anderes mehr verwendet werden kann? Wie spät ist es doch erst dann mit dem Leben zu beginnen, wenn man damit aufhören muss? Was ist es doch für ein stupides Vergessen der Sterblichkeit vernünftiger Pläne auf das 50ste und 60ste Jahr aufzuschieben und von da an sein Leben beginnen zu wollen, wohin es nur wenige geschafft haben!

19.12.06 22:26
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung