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Seneca: De Brevitate Vitae/Eintrag von: astrid

S25

 

De Brevitate Vitae (Von der Kürze des Lebens)

Wir haben nicht wenig Zeit, aber wir verschwenden sie.
Das Leben ist lang genug und es wird einem reichlich geschenkt zur Vollendung der größten Dinge, wenn es in seiner Gesamtheit gut genützt würde. So ist es.
Wir bekommen kein kurzes Leben, aber wir machen es dazu; nicht seiner arm, sondern verschwenderisch sind wir. Wie reiche und königliche Schätze, sobald sie zu einem schlechten Eigentümer gelangt sind, sofort sich in alle Winde zerstreuen, wenn sie aber einem guten Wächter übergeben wurden, durch Gebrauch nur wachsen, genauso erstreckt sich unsere Lebenszeit weithin für einen, der es richtig verteilt.
Warum klagen wir über die Natur der Dinge? Sie verhielt sich wohl wollend.

 

Das Leben, wenn du es zu nutzen weißt, ist lange. Aber den einen fesselt der unersättliche Geiz, den anderen eine geschäftige Emsigkeit in überflüssigen Tätigkeiten, wieder ein anderer ist schwer vom Wein, der andere ist von Untätigkeit gelähmt. Es gibt Menschen, welche die undankbare Verehrung der Mächtigen aufzehrt durch die freiwillige Knechtschaft. Viele Menschen fesselte entweder die Gier nach fremden Glück oder das Jammern (die Klage) über das eigene Glück/Schicksal. Die unbestimmte und sich selbst verfallene Leichtigkeit, warf die meisten Menschen, die nichts bestimmtes verfolgen durch neue Pläne herum.

Diese Aussage ist wahr: „Es ist ein kleiner Teil des Lebens, in dem wir leben. Der ganze übrige Zeitraum freilich, ist nicht leben, sondern bloße Zeit.

Wohl an denn, rufe dir deine Lebenszeit in Erinnerung und rechne nach. Bedenke, wie viel dir von dieser Zeit Gläubigern, wie viel die Freundin, wie viel der König, wie viel der Cliens, der Ehestreit, wie viel das geschäftige Herumtreiben durch die Stadt, dir geraubt hat. Du wirst sehen, dass du weniger Jahre hast als du zählst. Was ist die Ursache? Ihr lebt als ob ihr immer leben würdet, niemals kommt euch eure Zerbrechlichkeit in den Sinn, ihr beachtet nicht, wie viel Zeit schon vergangen ist. Jener Tag selbst, der irgendeinem Menschen oder Ding vergoldet geschenkt wird, kann der letzte sein. Ihr fürchtet alles als ob ihr Sterbliche wäret, ihr begehrt alles als ob ihr Unsterbliche wäret. 

Du wirst die Meisten sagen hören: „Ab dem 50sten Jahr werde ich mich in den Ruhestand zurückziehen, im 60sten Jahr werde ich von meinen Pflichten befreit“. Und wen schließlich nimmst du als Bürge für ein längeres Leben? Wer wird dulden, dass dieses geht so wie du es planst? Schämst du dich nicht die Reste des Lebens für dich zu reservieren und nur diese Zeit für eine vernünftige Einstellung zu bestimmen, die für nichts anderes mehr verwendet werden kann? Wie spät ist es doch erst dann mit dem Leben zu beginnen, wenn man damit aufhören muss? Was ist es doch für ein stupides Vergessen der Sterblichkeit vernünftiger Pläne auf das 50ste und 60ste Jahr aufzuschieben und von da an sein Leben beginnen zu wollen, wohin es nur wenige geschafft haben!

19.12.06 22:26


Fernberger/Eintrag von: astrid

S 12


Georg Christian Fernberger:

Reisetagebuch 1588-1593
 
Am 21. April bestieg ich ein Schiff, das nach Hormuz fuhr. Denn ich hatte beschlossen, die Indische Reise zu beenden und über Arabien nach Konstantinopel zurückzukehren. Es gibt zwei Saisonen von Indien nach Arabien zu segeln: die erste im Monat November, die andere im April. Wenn nun die Schiffe, bevor die Westwinde zu blasen beginnen, einen bestimmten Breitengrad nicht erreicht haben, geraten sie in große Gefahren. Sie sind dann nämlich gezwungen nach Indien zurückzukehren, wo das Meer zu jener Zeit stürmisch ist. Für dieses Los hatte das Schicksal auch mich bestimmt. Nachdem wir nämlich auf die Höhe von 3 Grad geraten waren, befanden wir uns so nahe vor der äthiopischen Küste, daß wir hofften bald Anker zu werfen. Denn Vögel ließen auf Land hoffen. Doch dann brachen so mächtige Westwinde los, daß wir gezwungen waren, das Schiff zu wenden und nach Indien zurückzukehren. Dort mußten wir abgesehen von den tobenden Stürmen auch diese fürchten, daß wir, an die feindliche Küste des Reiches von Calicut verschlagen, Leben und Schiff mit allen Waren verlören.
Nachdem unsere Rahen gebrochen, der Großmast gekappt und die Waren ins Meer geworfen worden waren, zeigte uns Gott in seiner Barmherzigkeit endlich eine Flußmündung in einem den Portugiesen freundlich gesonnenen Reich. In diese liefen wir wohlbehalten ein. Später erfuhr man, daß von den 4 Schiffen, die mit uns ausgelaufen waren, 3 untergingen und eines an die feindliche Küste von Calicut verschlagen wurde. Dieses wurde von den Feinden gekapert und alle Christen darauf ermordet.
 
S 16:


Dieses Volk hat eine schreckliche (An) Gewohnheit, dass die Ehefrau nachdem der Ehemann gestorben ist, lebendig mit ihm verbrannt wird.
Geschmückt mit Gold und Edelsteinen wird sie in einer Sänfte unter Gesängen herumgeführt, begleitet von Eltern/Verwandten, Freunden und reichlich (od. viel) Volk.
Sobald man außerhalb der Stadt zu dem für diese Tragödie bestimmten Ort/Platz gekommen ist, dann steht auf einer Seite die Menge, die Witwe selbst geht abgeschieden mit zwei oder drei verwandten Frauen zum Fluss um zu baden, wodurch sie alle Sünden abwäscht.
Sie wickelt sich in ein oranges/gelbes Tuch, und schreitet dann singend zum Scheiterhaufen.
Das Tuch von sich weggeworfen salbt sie den ganzen Leib/Körper mit duftenden/aromatischen Ölen, wobei alte Frauen ihr einen Tuch vorhalten, damit sie nicht nackt gesehen werde.
Danach (Dies vollendet) wird sofort der Scheiterhaufen angezündet und sie springt auf den Scheiterhaufen, wobei sie sagt, dass sie mit ihrem teuren Ehemann ruhen wolle, dabei schleudern Freunde Holzknüppel/Holzscheite auf sie, damit sie, bevor die Flamme sie tötet, von den Hieben der Holzknüppel getötet werde (bzw. sterbe).
Sofort verwandelt sich die Musik in so großes Klagen und in weinerliche Stimmen, dass man erkennen kann, dass in der Tat (wirklich) ein Trauerspiel aufgeführt worden ist.
Sie sagen, dass diese Sitte von alters her aus diesem Grund eingeführt worden sei, weil die Frauen dieses Landes ihre Ehemänner aus beliebigen Grund vergiftet haben.
Daher ist dieses Gesetz, nach dem Tod des Ehemannes zwingend der Tod der Ehefrau folgt, beschlossen worden.
Dadurch ist bewirkt worden, dass jetzt die Gesundheit des Mannes den Frauen in gleicher Weise, ja sogar mehr als die eigene zur Sorge gereicht (am Herzen liegt).
 
 

19.12.06 22:39


Carmen Buranum 196/Hü/Eintrag von: astrid

S 44

 

 

 

Carmen Buranum 196

 

 

 

Wenn wir in der Taverne,

 

dann kümmern wir uns nicht, was die Erde ist,

 

sondern eilen zum Spiel,

 

bei dem wir immer ins Schwitzen kommen.

 

Was in der Taverne geschieht,

 

so das Geld der Wirt ist,

 

ist es notwendig, dass danach gefragt wird;

 

doch was ich spreche, soll gehört werden:

 

Einige spielen, einige trinken,

 

einige leben liederlich;

 

aber wer beim Spiel verweilt,

 

unter diesen werden einige nackt ausgezogen,

 

die anderen dort werden bekleidet,

 

einige müssen Säcke anziehen;

 

dort fürchtet keiner den Tod,

 

sondern sie setzen alles auf den Bacchus.

 

An erster Stelle auf die Rechnung des Weins,

 

auf die trinken die Libertini:

 

einmal trinken auf die Häfenbrüder,

 

danach trinken sie dreimal auf die Lebenden,

 

viermal auf alle Christen,

 

fünfmal auf die verblichenen Gläubigen,

 

sechsmal auf die eitlen Schwestern,

 

siebenmal auf die Räuber im Wald,

 

achtmal auf die abtrünnigen Brüder,

 

neunmal auf die abgehauenen Mönche,

 

zehnmal auf die Seefahrenden,

 

elfmal auf die Sich-Streitenden,

 

zwölfmal auf die Reuigen,

 

dreizehnmal auf die Reiseneden,

 

genauso auf den Papst wie auf den König

 

trinken sie alle ohne Gesetz.

 

Es trinkt die Herrin, es trinkt der Herr,

 

es trinkt der Soldat, es trinkt der Klerus,

 

es trinkt jener, es trinkt jene,

 

es trinkt der Knecht mit der Magd,

 

es trinkt der Schnelle, es trinkt der Träge,

 

es trinkt der Weiße, es trinkt der Schwarze,

 

es trinkt der Beständige, es trinkt der Wankelmütige,

 

es trinkt der Ungebildete, es trinkt der Magier.

 

Es trinkt der Arme und der Kranke,

 

es trinkt der Verbannte und der Feind,

 

es trinkt Bub, es trinkt der Greise,

 

es trinkt der Bischof und der Dekan,

 

es trinkt die Schwester, es trinkt der Bruder,

 

es trinkt die alte Frau, es trinkt die Mutter,

 

es trinkt dieser, es trinkt jener,

 

es trinken Hunderte, es trinken Tausende.

 

Sogar sechshundert Zechen wären nicht lang genug,

 

wenn alle maßlos trinken ohne Ziel,

 

obwohl sie mit frohem Sinn trinken.

 

So reden alle Leute schlecht über uns,

 

und so werden wir arm sein.

 

Die schlecht über uns reden,

 

mögen verdammt sein und mögen nicht auf der Seite der Gerechten stehen!

 

 

19.12.06 22:49


Michael Boym, Cafraria

Cafraria, S11.

1. Cafraria ist ein großer Landstrich, der sich vom Kap der Guten Hoffnung bis Mosambik erstreckt.

2. Aber alle Kaffer, Männer, Frauen und Kinder, einst vor dem Ankunft der Portugiesen, gingen nackt herum ohne Kappen, aber jetzt bedecken sich schon die Männer vom Gürtel bis zum Knie, die Frauen von der Brust bis zum Knöchel mit bemalten Tücher.

3. Sie haben Haar, selbst die Frauen haben keine langen Haare.

4. Die Menschen sind dienstfreudig und talentiert.

5. Sie sind die Sklaven der Portugiesen.

6. Die meisten werden durch Diebstahl gefangen, von den Ihren verkauft, wider andere von den Eltern, wenig werden im Krieg gefangen, andere wegen der Zerstörung der Hirse zur Knechtschaft verurteilt, noch mal andere werden einfach auf der Straße angegriffen und von den Ihren zu den Portugiesen gebracht.

7. Wenn aber irgendeiner dieser Gefangenen sagen würde, vor dem Käufer, dass er ein freier Mann sei oder dass er ungerechterweise verkauft wurde, dann wird er sofort von dem schwarzen Verkäufer getötet.

8. Daher haben die Portugiesen in gutem Glauben viele Menschen als Sklaven gekauft.

9. Alle Kaffer sind von schwarzer Farbe, es werden auch Gelbe gefunden.

10. Sie salben sich gerne mit Öl und deswegen glänzt ihre Haut.

11. Die Sonne, die hier von intensiver Hitze ist, schadet ihrem Kopf nicht.

12. Sie haben viele Könige oder Häuptlinge.

13. Diese führten untereinander Kriege.

14. Städte, besser gesagt Dörfer findet man äußerst selten. (wörtl. fändest du…

Mosambik, S.11

1) Mosambik ist eine kleine Insel im Umfang einer Meile.

2) Palmen, die Kokos produzieren wachsen dort.

3) Die Kirchen der Portugiesen werden mit Palmenblättern geschmückt und gedeckt.

4) Es gibt überhaupt kein Haus in Mosambik, das nicht mit trockenen Palmen gedeckt wäre, gleichsam wie mit Stroh, was ein hervorragender zünde ist um Feuer zu fangen.

5) Die unglückliche Stadt hat kein Süßwasser.

6) Wenn Weizen, Hirse, Reis nicht von anderswoher kämen, würden die Menschen von Hungern zu Grunde gehen.

7) Die Insel hat drei oder vier regenwassersammelnde ………………… , doch es regnet hier äußerst selten, einmal im Monat, wenn viel zwei Mal.

8) Sämtliche Früchte, die in Europa sind, hat sie nicht.

9) Einwohner der Insel Mosambik sind 60 portugiesische Familien, aber es gibt keine Handwerker, sie sind alle Schneider und Friseur.

10) Sie essen sehr selten Fleisch, da sie keine Fleischhauer haben.

11) Sie leben alleine vom Reis, der aus Goa kommt.

12 )Brot ist hier knapp, welches ohne Sauertag gebacken wird und nur von den Reichen gegessen wird.

13) Wenn die Menschen nicht so wären. Dann gäbe es eine große Menge von Fisch, aber die Portugiesen verschmähen es, irgendein Handwerk auszuüben und leben deshalb im großen Unglück.

14) Sobald nämlich die Portugiesen ankommen, machen sie sich zu Edelleuten, und da die Kaffer wilde Menschen sind pflückt hier niemand und pflanzt niemand.

21.12.06 16:58


Heinrich Institor, Hexenhammer

1)Dämonen versuchen oft die würdevollen Frauen durch Beischlaf zu verderben.

2)Aber besonders die Allerheiligen Zeiten des ganzen Jahres pflegen von allen Dämonen und bösen Engeln bedroht zu werden wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

3)Dieses geschieht deshalb, weil die Dämonen zu jenen Zeiten mit größerer Leichtigkeit mehrere Menschen in die Versuchung stürzen lassen.

4)Besonders aber greifen  sie  junge Mädchen an, die zu den Festtagen durch Muße und Neugier tollkühl werden, und dadurch umso leichte von den alten Hexen, die die Sklavinnen der Dämonen sind, verführt werden können.

5) Neulich ist ein (bestimmtes) Mädchen, und zwar eine besonders fromme Jungfer, eingeladen worden, an einem Feiertag von einer alten Frau, dass sie mit ihr die Treppen in die Kammer hinaufsteige, deswegen weil bestimmte junge, sehr gut aussehende Männer dort eingeschlossen seien.

6) Als jede zugestimmt hatte, befahl die vorangehende Alte dem hinaufsteigenden Mädchen, dass sie sich nicht bekreuzige.

7) Und obwohl jene zugestimmt hatte, wappnete sie sich dennoch heimlich mit jenem zeichen.

8) (wörtl. "aus dieser Sache heraus) Daher geschah es, dass, nachdem sie hinaufgestiegen und in das Zimmer eingetreten waren, das Mädchen niemanden erblicken konnte.

9)Denn die dort mit Sicherheit vorhandenen Dämonen, konnten dennoch ihre Gestalt in ihren angenommenen Leibern jener Jungfrau nicht zeigen, da nämlich dies die hochheilige Macht des Kreuzes verhinderte.

10+11) Die Alte aber verfluchte die Jungfer und sagte: "Im Namen aller Teufel, warum hast du dich bekreuzigt?"

12) Dies erfuhr ich/entnahm ich aus der reinen Beichte der Jungfer.  

 

S 20 (unten), zweite Textprobe 

1) Es geschieht oft, dass die Dämonen die gottesfürchtigen Jungfrauen zu verderben versuchen.

2) Bei der Beichte hörte ich eine Jungfer in Ordenskleidung, die gleich zu Anfang sagte, niemals einem Beischlaf zugestimmt zu haben.

3) Aber ich glaubte ihr nicht und trieb sie durch "Vernunft??" in die Enge.

4) Schließlich bekannte sie mit/unter Tränen, dass sie verdorben/ihrer Unschuld beraubt worden sei von einem Dämon und erzählte mir die graußige Geschichte.

5)Schon lange konnte sie sich weder durch das Zeichen des Kreuzes, noch durch Weihwasser von diesem Dämon befreien.

6) Als sie vor Pfingsten sich bei ihrer Äbtissin beklagte, dass sie es nicht wage zu schlafen wegen der schändlichen Belästigung des Dämons, da sagte die Äbtissin:

7) "Geh und schlafe sorglos und morgen will ich deine Pein auf mich nehmen.

8)Sie zog sich zurück, freute sich und schlief in Frieden. (wörtlich: Sich zurückziehend schläft jene sich freuend)

9)Die Äbtissin aber, die die auf sich genommene Pein nicht richtig einschätzte hört, als sie sich des Abends zur Ruhe begab, in ihrem Bett so etwas wie ein Schweindchen, das sich da bewegt und ziemlich zuckt und ohne einen Dämon zu vermuten, versucht sie,  nachdem si einen Spinnrocken ergriffen hatte, was immer es sei  zu vertreiben.

10) Sie legt sich wieder hin, aber ängstlich. Wieder gequält stand sie auf.

11) Schließlich fühlte sie und sah, nachdem sie die Bettdecke zurückgeschlagen hatte, dass sie belästigt wurde durch die Bosheit eines Dämons.  

21.12.06 17:23


Caesar/De Bello..../Eintrag von: astrid

Caesar
Commentarii De Bello Gallico (VI, 11-14)
 
Da wir bis zu dieser Stelle unseres Berichts vorgedrungen sind, scheint es mir nicht unangebracht zu sein, die Bräuche Galliens und Germaniens zu schildern und dabei auf die Punkte einzugehen, in denen sich diese Stämme voneinander unterscheiden. In Gallien gibt es nicht nur in allen Stämmen und ihren einzelnen Gauen und Bezirken, sondern fast in jeder Familie politische Gruppierungen. An der Spitze stehen die, die den Ruf haben, in der öffentlichen Meinung den größten Einfluss zu besitzen. Von ihrem Schiedsspruch und ihrem Urteil hängen die wichtigsten politischen Entscheidungen und Pläne ab. Dies scheint von alters her aus dem Grund so eingerichtet, damit niemandem aus dem niederen Volk Unterstützung gegenüber einem Mächtigeren versagt bleibe. Denn keiner dieser Führer lässt zu, dass seine Anhänger unterdrückt oder betrogen werden. Wenn er sich anders verhielte, hätte er bei ihnen keinerlei Ansehen mehr. Dieselbe Struktur findet sich auch in Gesamtgallien, denn alle Stämme zusammen sind in zwei Parteien geteilt.
 
Als Caesar nach Gallien kam, standen die Haeduer an der Spitze der einen Partei, die Sequaner führten die andere. Da letztere schon an sich weniger angesehen waren, weil die Haeduer von alters her den größten Einfluss und bedeutende Clientelen besaßen, hatten die Sequaner sich mit den Germanen und Ariovist verbündet und diese unter bedeutenden Opfern, mit großen Versprechungen auf ihre Seite gezogen. Nachdem sie in mehreren Schlachten siegreich gewesen waren, wobei der ganze Adel der Haeduer fiel, war ihre Stellung so übermächtig,  dass sie einen großen Teil der Clienten von den Haeduern zu sich herüberziehen konnten und die Söhne der führenden Männer als Geiseln erhielten. Sie zwangen die Regierung der Haeduer zu dem Schwur, keine Kriegspläne gegen die Sequaner zu fassen. Nachdem sie noch einen Teil des angrenzenden Landes gewaltsam eingenommen und zu ihrem Besitz gemacht hatten, standen sie an führender Stelle in ganz Gallien. Diese Notlage hatte Diviciacus veranlasst, zum Senat nach Rom zu reisen und dort um Unterstützung zu bitten. Er war jedoch ohne Erfolg zurückgekehrt. Da mit dem Eintreffen Caesars ein Wandel eintrat, erhielten die Haeduer ihre Geiseln zurück, ihre alten Clientelen bildeten sich wieder, und Caesar verschaffte ihnen obendrein neue, weil die, die einen Freundschaftsvertrag mit den Haeduern eingegangen waren, sahen, dass sie sich nun in einer besseren Lage befanden und unter einer gerechteren Herrschaft lebten. Auch durch anderes war die Beliebtheit und das Ansehen der Haeduer so vermehrt worden, dass die Sequaner ihre führende Stellung verloren hatten. An ihre Stelle waren die Remer getreten. Da zu erkennen war, dass sie bei Caesar in gleicher Gunst standen wie die Haeduer, begaben sich die Stämme, die sich wegen alter Streitigkeiten unter keinen Umständen den Haeduern anschließen konnten, in die Clientelen der Remer.  Diese übernahmen gewissenhaft ihren Schutz. So besaßen sie einen frischen und überraschend schnell erworbenen Einfluss. Die Lage war damals so, dass den Haeduern die unbestrittene Führung zuerkannt wurde, die Remer aber den zweiten Platz im allgemeinen Ansehen einnahmen.
 
In ganz Gallien gibt es nur zwei Klassen von Männern, die an einigermaßen hervorragender und ehrenvoller Stelle stehen. Denn die untere Volksschicht wird fast wie Sklaven behandelt; sie wagt nicht, selbständig zu handeln, und wird zu keiner Beratung hinzugezogen. Da die meisten unter dem Druck von Schulden oder hohen Steuern leben oder aber durch rechtswidriges Verhalten der Mächtigen bedrängt werden, begeben sie sich in die Sklaverei. Die Adligen besitzen ihnen gegenüber alle Rechte, die ein Herr seinen Sklaven gegenüber hat. Von den erwähnten zwei Klassen ist die eine die der Druiden, die andere die der Ritter.  Den Druiden obliegen die Angelegenheiten des Kultus, sie richten die öffentlichen und privaten Opfer aus und interpretieren die religiösen Vorschriften. Eine große Zahl von jungen Männern sammelt sich bei ihnen zum Unterricht, und sie stehen bei den Galliern in großen Ehren. Denn sie entscheiden in der Regel in allen staatlichen und privaten Streitfällen. Wenn ein Verbrechen begangen worden oder ein Mord geschehen ist, wenn der Streit um Erbschaften oder den Verlauf einer Grenze geht, fällen sie auch hier das Urteil und setzen Belohnungen und Strafen fest. Wenn sich ein Privatmann oder das Volk nicht an ihre Entscheidungen hält, untersagen sie ihm die Teilnahme an den Opfern. Diese Strafe gilt bei ihnen als die schwerste,  denn die, denen die Teilnahme untersagt ist, gelten als Frevler und Verbrecher, alle gehen ihnen aus dem Weg und meiden den Umgang und das Gespräch mit ihnen, damit sie nicht durch ihre Berührung Schaden erleiden. An der Spitze aller Druiden steht ein Mann, der den höchsten Einfluss unter ihnen genießt. Stirbt er, so folgt ihm entweder der nach, der unter den übrigen das höchste Ansehen besitzt, oder aber sein Nachfolger wird von den Druiden gewählt, wenn mehrere gleich hohes Ansehen besitzen. Nicht selten wird dann jedoch auch mit Waffen um die leitende Stelle gekämpft . Zu einer bestimmten Zeit des Jahres tagen die Druiden an einem geweihten Ort im Gebiet der Carnuten, das man für das Zentrum ganz Galliens hält. Hierher kommen alle, die Streitigkeiten haben und sie gehorchen den Beschlüssen und Urteilen der Druiden. Die Lehre wurde, wie man meint, in Britannien entdeckt und von da nach Gallien gebracht. Und diejenigen, die jetzt (heute) diese Lehre genauer kennen lernen wollen, reisen meist dorthin um sie zu studieren.
 
Die Druiden bleiben gewöhnlich dem Krieg fern  und zahlen auch nicht wie die übrigen Steuern. Sie leisten keinen Kriegsdienst und sind auf jedem Gebiet von der Abgabepflicht ausgenommen. Diese großen Vergünstigungen veranlassen viele, sich aus freien Stücken in ihre Lehre einweihen zu lassen, oder ihre Eltern und Verwandten schicken sie zu den Druiden. Wie es heißt, lernen sie dort eine große Zahl von Versen auswendig. Daher bleiben einige 20 Jahre lang im Unterricht. Sie halten es für Frevel, diese Verse aufzuschreiben, während sie in fast allen übrigen Dingen im öffentlichen und privaten Bereich die griechische Schrift benutzen. Sie scheinen mir das aus zwei Gründen so eingerichtet zu haben, weil sie weder wollen das die Lehre in die Öffentlichkeit gebracht wird, noch das diejenigen die sie studieren im Vertrauen auf die Schrift ihr Gedächtnis weniger schulen: Dieses widerfährt den meisten; nämlich, dass sie durch die Stütze der Schrift in der Genauigkeit beim Auswendiglernen nachlassen. Sie wollen vor allem davon überzeugen, dass die Seele nach dem Tod nicht zugrunde geht sondern von dem einen auf den anderen übergeht, und sie glauben dadurch ganz besonders zur Tapferkeit angespornt zu werden, da sie soviel Furcht vor dem Tod hintanstellen. Außerdem erforschen sie vieles, über die Sterne und deren Bewegung, die Größe des Weltalls und der Erde (od. Länder), über die Natur, über die Kraft und Macht der unsterblichen Götter und geben dies an die Jugend weiter.
30.12.06 18:13





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